Zwei Wochen lang wurde in Glasgow um Maßnahmen zum Erreichen der globalen Klimaziele gerungen, aber vielen Menschen reichen die Aussagen der Staaten in der gemeinsamen Abschlusserklärung bei weitem noch nicht aus, um das angestrebte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.

Die Länder haben zwar 14 Tage lang versucht, mutige Kompromisse und ehrgeizige Verpflichtungen einzugehen und es war eigentlich allen bewusst, dass an einem Strang gezogen werden muss, trotzdem gibt es immer noch großen Klärungsbedarf bei Finanzierungsfragen sowie Verfahren und Standards zur Überwachung, d.h. ob und wie die Länder ihre Klimazusagen einhalten werden.

Wie komplex und schwierig sich solche Verhandlungen gestalten, das konnten Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 vor einigen Wochen am eigenen Leib erfahren, denn unsere Aula wurde zur Kulisse einer Klimakonferenzsimulation, veranstaltet von MyClimate und der Multivision e.V., unterstützt durch das Umwelt Bundesamt sowie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Unter fachkundiger Anleitung des Moderators Max Menkenhagen, der in die Rolle des Generalsekretärs schlüpfte, spielten die Jugendlichen als Vertreterinnen und Vertreter der teilnehmenden Länder bzw. Ländergruppen mehrere Verhandlungsrunden eines Klimagipfels durch.

Im Folgenden berichtet Simone Hüsges, wie sie persönlich diese Simulation erlebt hat: „Es begann damit, dass wir uns alle am Morgen des 02.09.2021 in der Aula versammelt haben. Wir sollten uns erstmal an die unterschiedlichen Tische im Raum verteilen. Diese waren mit verschiedenen Länderkennungen ausgestattet, u.a. Europa, USA, Indien oder China. Nach einer kurzen theoretischen Einführung ins Thema und der Erläuterung von wichtigen Begriffen, wurden wir zufallsmäßig in neue Gruppen eingeteilt und mussten uns zu unserem Ländertisch begeben.

Jedes Land/ jede Ländergruppe musste sich dann zunächst gruppenintern u.a. mit den Themen Höchststand der Emissionen für fossile Brennstoffe, Beginn der Emissionsreduktionen, Höhe der Reduktionsrate sowie Entwaldungsverhinderung und Aufforstungsförderung auseinandersetzen.

Im Rahmen dieser Phase sollten dann dazu konkrete Ziele und auch Forderungen für die erste von insgesamt drei Verhandlungsrunden nicht nur abgesprochen, sondern auch formuliert werden. Danach ging es in die erste Verhandlungsrunde mit den anderen Gruppen. Hierbei sind dann einzelne Personen zum Verhandeln mit anderen Ländern losgegangen und mussten versuchen, innerhalb von 20 Minuten unterschiedliche Verträge, Bündnisse und Versprechen miteinander auszuhandeln und zu beschließen.

Nach dieser sehr intensiven Austausch- und Verhandlungsphase haben sich alle Länder erneut im Plenum zusammengefunden und sich gegenseitig ihre bisher erreichten Ergebnisse vorgestellt.

Durch die Verwendung von C-Roads, einem Algorithmus-basierten Tool zur Prognose klimatischer Entwicklung, wurden die Ergebnisse sofort visualisiert. Dadurch konnte unmittelbar die erreichte klimatische Veränderung auf Basis der jeweils formulierten Ziele sichtbar gemacht werden, unter anderem eine Kurve zum CO2-Ausstoß aller Länder oder die Gradzahl der künftigen Erderwärmung.

Dieser Ablauf wurde danach noch zweimal durchgespielt, d.h. es musste wieder miteinander verhandelt und gesprochen werden, diesmal z.B. auch mit anderen Verhandlungspartnern.

Trotz der beschlossenen frühzeitig zu erreichenden Emissionshöchststände und den immer weiter erhöhten Reduktionsraten sowie zahlreichen finanziellen Absprachen, haben wir am Ende von Runde drei das angestrebte 1,5 Grad-Ziel um 0,4 ° C verfehlt.

Wir haben so aber erfahren, wie schwierig es ist, die Voraussetzungen zu schaffen, dass Klimaschutzziele eingehalten werden und das jedes Land mitzieht. Es war eine sehr erfolgreiche Veranstaltung, bei der jede interessierte Teilnehmerin und jeder interessierte Teilnehmer miterleben konnte, wie solche Verhandlungen ablaufen und was dabei alles zu beachten ist.“

Für die Möglichkeit, diese besondere Form der Umweltbildung, in der nachhaltiges Handeln und Klimaschutz einmal auf eine ganz andere Art und Weise, nämlich in Kombination mit Teamwork und Verhandlungsgeschick, vermittelt wurden, am Thomaeum kostenfrei durchführen zu können, möchte ich mich auch im Namen der Schülerinnen und Schüler ganz herzlich bei den Veranstaltenden bedanken!

Bärbel Godizart


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